KUNST

Frank Böckelmann, der wortgewaltige Zeitgeistanalytiker, gewährt in seinem ersten Prosaband einen kleinen Einblick hinter die Kulissen seines Autoren- und Herausgeberlebens. Mit bärbeißigem Humor und notwendiger Selbstdistanz in Verbindung mit der kreativen Ausschreitung der deutschen Sprache gelingt es dem TUMULT-Herausgeber, ein Phänomen aus dem Unterbewußtsein ans Licht zu ziehen, das...
Früh schon erregte sein Schaffen die Bewunderung Rilkes und Stefan Zweigs, der über ihn in einem Brief an den Komponisten Richard Strauss schrieb, er sei „ganz groß in seinen Gedichten“. Neben Lyrik schrieb Lernet-Holenia (1897–1976) auch Romane, Erzählungen und Bühnenstücke. Über letztere bekannte er 1929 freimütig, dass er sie...
Eines der zentralen Element konservativen Denkens ist der historische und kulturelle Verfall. Wenige Autoren haben sich so intensiv mit Verfall und Untergang beschäftigt wie der in Deutschland nur wenig bekannte Julien Gracq. Doch auch in seinem Heimatland Frankreich war der Schriftsteller selbst – im Gegensatz zu seinem Werk –...
Der Name Dante Alighieri thront über der europäischen Literaturgeschichte. Mit seiner ,Göttlichen Komödie' schuf Dante etwas Unvergleichbares, das bis heute fasziniert. Der 700. Todestag des Italieners bietet somit einen festlichen Anlass für die erneute Exegese der Originalfassung seiner berühmtesten Dichtung. Markus Schürer zeigt, welches geistige Universum uns die Lektüre...
Für die Realisierung des Traums wird das Reich des Guten per Gesetz verordnet, es reglementiert unsere Gedanken und Bedürfnisse. Kritik daran zu üben impliziert gleichzeitig die Gefahr, selbst zum Teil des Spektakels zu werden. Der französische Polemiker Philippe Muray belegt das mit seiner spitzfindigen Schrift unfreiwillig. Der Schriftsteller Philippe Muray...
Der Regisseur Dominik Graf, Moralist auf seine Art, hat sich Erich Kästners Fabian, dieser Geschichte eines Moralisten angenommen. Nach eigener Aussage wollte Graf eine „Perlenkette von Situationen“ schaffen, ja ein „Zeit-Fresko“. Entgegen der Tendenz zu allzu viel Glattheit in der heutigen Kino- und Serienwelt sollte sich der Film dadurch...
Das Motiv des Idioten als wunderlichem Eigenbrötler und Soziopathen einerseits oder als seherischem Außenseiter und weisem Unverstandenen andererseits findet sich zu jeder Zeit in der Literaturgeschichte des Abendlandes. Lars von Trier setzt den entfesselten Idioten an den Beginn einer filmischen Utopie. Ganz gleich ob mit Dostojewskis Fürst...
„Die Zivilisation braucht zuerst jedes erdenkliche Mittel, um die Individualität zur vollen Entfaltung zu bringen, jedoch nur, um danach alles daran zu setzen, dass die erreichte Individualität mit Füßen getreten wird.“ Dieser Satz könnte in einem europäischen Buch der Moderne stehen. Er steht jedoch in einem Roman des japanischen Autors...
Der berüchtigte Regisseur Lars von Trier ist längst über Cineastenkreise hinaus bekannt und ähnelt nicht nur in dieser Hinsicht dem deutschen enfant terrible Rainer Werner Fassbinder. Letzterer, 1982 verstorben, provozierte ebenso gern wie von Trier sein Publikum. Sowohl mit Sujets als auch mit ihrer ästhetischen Umsetzung sorgte er immer...
Die Geschichte des Films geht weit zurück, an ihr Ende gekommen ist sie allerdings noch lange nicht - und das trotz der anhaltenden Entritualisierung des einst so kostbaren Kinosaals und der damit einhergehenden permanenten Verfügbarkeit des Films. Doch die Zeiten für Pessimisten stehen schlecht, meint Viktor Landenberger, der einen...