„Ein Leben von Song to Song“

Die Welt der Musik ist voll von Leidenschaft, Ekstase und Hedonismus – diese emotionalen Höhenflüge können aber ebenso schnell in Trauer und Enttäuschung umschlagen. Die ständige Sehnsucht nach der perfekten Welt, die es nicht gibt, macht dabei vieles erträglich. Der Film Song to Song (2017) will uns diese Welt zeigen.

Faye (Rooney Mara) ist jung und liebenswert, sie will den großen Durchbruch als Musikerin schaffen. Vor allem aber träumt sie davon, endlich das Leben in seiner ganzen Fülle zu erfahren, echte Beziehungen und echte Gefühle zu erleben, nicht nur als Zuschauer teilzunehmen, sondern mittendrin zu stehen. Terrence Malicks jüngster Film Song to Song spielt in der Musikszene von Austin (Texas), das sich selbst als Hauptstadt der Livekonzerte versteht, und erzählt die Geschichte einer Jugend, für die die Suche nach authentischen Gefühlen den Lebensmittelpunkt darstellt.

Faye stürzt sich in die Liebe – sie träumt vom ultimativen Glück, doch sie weiß auch: das Glück ist nur Fiktion. Sie erprobt die Liebe in einer unklaren, aber sehr emotionalen Dreiecksbeziehung mit dem Musiker BV (Ryan Gossling) und Cook (Michael Fassbender).

„Ich liebe den Schmerz, durch ihn erfahre ich, dass ich lebe.“

Schnell wird klar, dass wir in eine Welt eintauchen, in der Sein und Schein weit auseinanderliegen. Die tanzenden Musikfans im Staub der Festivals, die verschwitzten Massen vor den Bühnen konsumieren Musik aus einer Welt, die umgeben ist von frisch gereinigten Swimming-Pools und sterilen Hotelzimmern. Die dreckige Welt der Fans steht einer perfekten Fassade gegenüber. Es ist eine Welt voller Oberflächlichkeiten, die auch vor der Liebe nicht halt macht. Die Liebe ist so allgegenwärtig geworden, dass sie in aufrichtiger und wahrer Form unmöglich geworden ist. Faye aber sucht genau nach den echten Gefühlen, denn sie ist ein zutiefst sinnlicher Mensch: sie will spüren, berühren und leben. Diese Gefühlswelt schafft niemand so gut einzufangen wie Malick, denn Faye schwebt mit der Leichtigkeit und Unbeschwertheit eines Schmetterlings durch die Welt, doch sobald sie hinter den Vorhang blickt, wird sie enttäuscht: „Errette mich von meinem kranken Herz.

Der Heideggerianer Terrence Malick schafft es, wie bereits bei den bekannten Vorgängern „The Tree of Life“ oder „Der schmale Grat“, uns die Welt aus einem bisher unbekannten Blickwinkel zu präsentieren. Seine Klasse besteht nicht darin, Heideggers Philosophie akkurat wiederzugeben, sondern sein Verständnis vom Dasein aufzunehmen und in eine eigene, sinnliche Form zu gießen. Unterstützt durch eine atemberaubende Kameraführung und einem eindringlichen Score kommen wir den Gefühlen und der Welt ganz nah. Zugleich nähert sich Malick den Dingen mit einer Aufrichtig- und Ernsthaftigkeit, wie wir sie heute auf der Leinwand kaum noch erleben.

Auch bei diesem Werk Malicks steht wieder einmal nicht die Handlung im Vordergrund, sondern die Gefühlswelt. Doch genau auf dieser Ebene überzeugt Malick abermals, er führt uns anhand der Emotionen der Protagonistin hin zu der Frage: Gibt es ein Zurück zum einfachen Leben?

Trailer:

(Jeder der Amazon Prime hat, kann den Film dort kostenfrei ansehen.)

 

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